Urlaub

Ich fand es wirklich, wirklich großartig, Geld zu haben. Vergangenheitsform.

Es entfremdete mich von einem Großteil der Menschen, die ich liebte und machte alles so wahnsinnig einfach.

Wenn du dein Geld über ein paar Dutzend Konten verteilen musst, immerzu mit Investoren redest, mit Beratern und Philantropie-Experten, mit Wohltätigkeitsorganisationen, mit Möchtegern-Hofschranzen und Verwandten, die aus dem Nichts mit Geldproblemen um die Ecke kommen, ist es einfach, sich gemocht und willkommen zu fühlen.

Immerzu klingelt dein Telefon und nie bist du allein.

Irgendwann fällt dir dann auf, dass sie gar nicht an dir interessiert sind, sondern nur an deinem Geld. Dann änderst du deine Telefonnummer und gibst niemandem mehr Geld, denn dir wird auf einmal klar, dass jeder Geld braucht. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern.

Ich kaufte das Strandhaus und war dort unerreichbar. Ich lief durch die vielen Räume. Die meisten davon ließ ich leer. Möbel gab es genug, es fühlte sich einfach so gut an, Platz zu haben. Den brauchte ich.

Irgendwann brauchte ich dann keinen Platz mehr sondern wieder Leute. Das Leben ist voller Kreisläufe, die meistens gesteuert werden von zwei Bedürfnissen: Geld und Gesellschaft. Mal der eine, mal der andere, mal beide gleichzeitig. Ich arbeitete in einem dieser Jobs wo man von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung lebt und nur die Freizeit zählt. Dann erinnerst du dich, worum es geht im Leben und du stellst fest: Es geht ums Geldausgeben.

Wenn du dann das Geld hast, stellst du fest, dass das was du brauchst Leute sind, für die du das Geld ausgeben kannst. Du brauchst das Geld gar nicht für dich selbst. Immer im Kreislauf. Aber man braucht Leute und Geld, in gleichen Mengen. Und meine Waage war plötzlich umgekippt.

Das Strandhaus war eine weiße Villa mit unzähligen Räumen und wenig Möbeln. Ich sah aufs Meer und fühlte mich klein und unwichtig. Das war genau das, was ich brauchte.

Wenn mein Verlangen nach Gesellschaft so groß wurde, wie das Verlangen nach Wasser in der Wüste gab ich eine Party.

Hunderte Menschen kamen. Ich buchte eine Band mit drei Sängerinnen, die in perfekter Harmonie ihre Songs sangen. Mit viel „Schalala“ und „Duwahdu“. Diese Wörter ohne Bedeutung schallten durch die Verstärker über die gesamte Party. Die drei Mädchen waren bildhübsch und die Leute waren von ihnen mindestens so sehr verzaubert wie von dem opulenten Ambiente. Die Champagnerkorken knallten und zischten, und gaben damit der feierlichen und einladenden Musik einen ganz eigenen Rhythmus.

Ich schlenderte über die Party mit meinem weißen Leinenanzug, genoss die Anonymität der Sache. Keiner fragte nach Geld während der Party und viele wussten gar nicht, dass ich es war, dem das Haus gehörte, und der Garten mit der Aussicht auf die Klippen.

Ich huschte durch die Menschenmassen und hielt mich zufrieden im Hintergrund. Dann sah ich dich. Du standst im Licht des Feuers und lachtest in deinem hellblauen Sommerkleid. In deinen Augen spiegelte sich das Licht des Feuers – du warst umgeben von Leuten, hingst über jeder Unterhaltung wie ein Stück Feinwäsche an der Leine. Manchmal standst du auf zum Tanzen, dann bewegtest du dich rhythmisch zur Musik und alle folgten deinem Beispiel.

Als ich es endlich geschafft hatte, dich anzusprechen, sprachen wir über eine Menge Dinge. Du warst eine sehr gute Zuhörerin. Die liebtest die Musik, kanntest eines der Mädchen aus der Band. Ich hörte dir zu als du Geschichten über die Leute in der Gruppe erzähltest und jede Gesprächspause fühlte sich an wie orchestriert. Dann hörten wir die Musik und das Meer und tranken aus den Champagnergläsern, die ich wieder und wieder nachfüllte.

Als die Party zu Ende und alle gegangen waren, bist du geblieben. Ich brachte dich in eines der Schlafzimmer und gab dir alles, was du brauchtest. Ich kaufte dir Kleider und überzeugte dich, Urlaub zu nehmen und bei mir zu bleiben. Du ludst Freunde ein, wir kochten gemeinsam für sie. Ich war so offensichtlich verliebt in dich, dass es weh tat – ich erinnerte mich, wie ich an der High School war, im College, nach dem College, du hast das nie ausgenutzt. Ich überhäufte dich mit Geschenken und Aufmerksamkeit und du schienst zufrieden zu sein mit dem, was ich dir gab, ohne aber irgendetwas davon zu brauchen.

„Zu dumm, dass du da den Zaun hast“, sagtest du eines Morgens. Es gab da diesen Zaun, der das Haus vom Meer trennte und den Rand der Klippen markierte. Er war niedrig und aus Zement mit kleinen Fensterchen darin. Ich tat immer so, als würden dort die Bogenschützen stehen, wenn ich mal meine Festung zu verteidigen hätte.

„Der ist dazu da, dass niemand über den Rand stürzt“, antwortete ich. Da kuscheltest du dich in meine Armbeuge, wir lagen gemeinsam im Sessel und sahen wie die Wolken im Sonnenuntergang ihre Farbe veränderten.

„Wir können die Sonne gar nicht sehen, nur die Wolken.“

Am nächsten Morgen ließ ich eine Abrissbirne kommen. Der Arbeiter riss damit die Mauer ein, die mein Anwesen von der Klippe und dem Strand und dem Meer darunter trennte.

„Viel besser“, sagtest du.

Du halfst mir dabei, das Haus mit Möbeln zu füllen. Wir tranken viel Champagner. Du erzähltest mir, dass du dich fühltest als wärst du gerade auf einem großen Urlaub vom Leben. Ich sagte dir, dass du das für den Rest deines Lebens so haben könntest. Dass dein Leben ein einziger Urlaub sein könnte.

Wir standen oft nachts an der Klippe und sahen zu, wie die Sonne verschwand. Ich hatte Angst, eine Party zu feiern oder Leute auf mein Anwesen zu lassen, weil die Klippe so hoch war und der Strand so tückisch. Der Fall konnte einen töten.

„Mach dir keine Sorgen, ich fall schon nicht“, sagtest du. Ich machte mir trotzdem Sorgen.

Ich hörte auf, Parties zu feiern und behielt dafür dich. Das fühlte sich irgendwie heuchlerisch an, aber du sagtest, ich solle mir keine Sorgen machen. Eines Morgens wachte ich auf und du hattest ein Schild am Rand aufgestellt.

„Das sollte jeder wissen“, sagtest du. „Auch im Urlaub kann das Leben gefährlich sein.“

aus dem Englischen von Sandra Kathe

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